Färben
     
                 
 

Pflanzenfarben / Naturfarben

 
                 
  Alkanna            
 

Ochsenzunge oder Alkanna ist eine alte, in Europa und Amerika bekannte Färbepflanze, die selten wildwachsend zu finden ist. Alkanna ist eine zweijährige Pflanze von der man im zweiten Jahr die Wurzeln zum Färben erntet.

Und so wird´s gemacht: Die Alkannaspäne über Nacht in einem Mullsäckchen einweichen, 1 Stunde kochen, ausdrücken und (ist der Färbetopf groß genug) beim Färben im Farbsud belassen. Ist der Färbetopf jedoch kleiner, sollte man das Mullsäckchen entfernen um eine Kontaktfärbung, falls unerwünscht, zu vermeiden.
Je nach Kochzeit, Vorbeize und Färbegut ergibt es eine Farbskala von grauviolett über graurötlich, Khakigrün bis hin zu purpurviolett.
Gebeizt habe ich mit Alaun und Weinsteinrahm/ Weinsteinsäure.

 
   
   
   
   
                 
   

Blauholz

           
   

Blau- oder Campechholz sind die Holzspäne eines mittelamerikanischen Baumes, der wegen seines roten Holzes auch Blutbaum genannt wird. Das Kernholz des Baumes, welches die Farbe ergibt, ist als Späne oder Pulver erhältlich. Farbecht und intensiv färbt Blauholz auf leichter Chromkalibeizen. Da aber Chromkali giftig ist, verwende ich für die Beize Alaun und Weinsteinsäure bzw. -rahm. Die sind ungiftig. Das Ergebnis ist dasselbe..... man muß hinterher allerdings sehr gut spülen - die Wolle "ausbluten" lassen, damit es nachher keine Verfärbungen mehr gibt...

Und so wird´s gemacht: Die Blauholzspäne über Nacht in einem Mullsäckchen einweichen, 1 Stunde kochen, ausdrücken und ( ist der Färbetopf groß genug) beim Färben im Farbsud belassen. Ist der Färbetopf jedoch kleiner, sollte man das Mullsäckchen herausnehmen um eine Kontaktfärbung - so diese nicht erwünscht ist - zu vermeiden.
  Je nach Kochzeit, Vorbeize und Färbegut ergibt es eine Farbskala von Purpurblau über blaulila, violett, marineblau, schwarz oder taubenblau.

 
     
     
     
     
                 
   

Gallapfel

           
   

Galläpfel entstehen durch den Stich der Gallwespe in Eichenblätter. Man benötigt aufgrund des überaus großen Gerbsäuregehaltes keine Beize. Deshalb können auch kleine Mengen an Gallapfelpulver als Beize bei anderen Farben gebraucht werden.

Und so wird´s gemacht: Gallapfelpulver mit Weinsteinrahm mischen, in einem Porzellantopf mit etwas Wasser 1 Std einweichen, dann in die zum Färben nötige Menge Wasser geben, gut umrühren. Je nach Kochzeit, Menge an Färbesud und Färbegut ergibt es eine Farbskala von lilagrau, hellgrau - in Verbindung mit Eisensalz ergibt es Dunkelgrau und in Verbindung mit Krapp und der Farbe "Gelb" (z.B. Zwiebelschalen) und Eisensalz erhält man eine tiefschwarze Farbe.

 
     
     
     
                 
   

Krappwurz

           
   

Krappwurz oder Färberöte ist eine sehr alte Färbepflanze aus dem Mittelmeerraum. Die etwas unscheinbare Pflanze entwickelt große starke Wurzelstöcke, in denen die Farbe enthalten ist. Im dritten Wachstumsjahr wird die Wurzel geerntet, geschnitten und getrocknet. 

Und so wird´s gemacht: Krappwurz über Nacht mit sehr viel Wasser einweichen da die Späne sehr stark aufquellen. Den Krappbrei mit der nötigen Menge Wasser auffüllen oder abseien und gut ausdrücken, Färbegut einlegen und die erste Färbung bei ca. 70° durchführen. Bei zu hoher Temperatur wird der Farbton eher bräunlich als rot. Bei Kontaktfärbung wird die Farbe intensiver und leuchtender.
Es empfiehlt sich, eine 2. oder 3. Färbung durchzuführen, da Krapp eine enorme Färbekraft hat und der Farbsud einfach zum Wegschütten zu Schade ist.
Je nach  Kochzeit, Farbbad, Vorbeize und Färbegut ergibt es eine Farbskala von backsteinrot, pfirsichrot, ziegelrot-leuchtend, gelbrot, sehr klarem rot oder rotbraun. Ich habe die Wolle vorher mit Alaun und Weinsteinrahm 1 Stunde gebeizt.

Auch erzielte ich hervorragende Ergebnisse mit der STUFENFÄRBUNG*

Auch mit anderen Pflanzenfasern lässt es sich mischen und ergibt die tollsten Farben.

 
     
     
     
                 
   

Kurkuma

           
   

Die Pflanzenfarbe Kurkuma ist eine aus dem Orient stammende Gewürzpflanze und ergibt eine goldgelbe Färbung der Wolle.

Und so wird´s gemacht: Das Kurkumapulver mit Wasser zu einem Brei anrühren und über Nacht weichen lassen. Dann die zum Färben benötigte Mienge Wasser in einen Topf füllen, Kurkuma im Mullsäckchen hineinhängen und auskochen.Schüttet man den Kurkuma-Brei so - ohne Säckchen - in den Topf, ist das ganze Pulver nachher in der Wolle und man hat seine Not, dies wieder rauszuwaschen.
Je nach Kochzeit, Vorbeize und Färbegut ergibt es eine Farbskala von gelb, goldgelb, ocker bis hin zu hellbraun. Ich habe die Wolle vorher mit Alaun und Weinsteinrahm 1 Stunde gebeizt.

 
     
     
     
               
   

Orlean / Orleanssaat

         
   

Der Orlean ist ein tropischer Strauch, der auch Anattostrauch genannt wird. In den Schalen der Samen ist der Farbstoff Bixin enthalten, die leuchtend orange Farbe ergibt. Bixin wird auch als Lebensmittelfarbe, Färben von Käse, Butter, Rotwein sowie in der Kosmetik verwendet. Da aber Bixin – mithin die Samenkapseln - nicht wasserlöslich sind muß man die Samenkapseln über Nacht unter Zugabe von Soda einweichen.

 
     
     
                 
   

Rotholz

           
   

Die Pflanzenfarbe Rotholz ergibt, wie der Name schon sagt, eine Rotfärbung der Wolle. Rotholz, vermischt mit Zwiebelschalen, ergibt orange.

Und so wird´s gemacht: Die Rotholzspäne über Nacht in einem Mullsäckchen einweichen, 1 Stunde kochen, ausdrücken und beim Färben im Farbsud belassen oder herausnehmen - siehe oben.. Je nach Kochzeit, Vorbeize und Färbegut ergibt es eine Farbskala von rot, hellrot bis hin zu orange.

Gebeizt wird mit Alaun. Entweder als Vorbeize* oder Direktbeize* .

 
     
     
     
                 
   

Walnuss

           
   

Walnuss ist DER typische Braunfärber. Walnussschalen sind so gerbsäurehaltig, dass man ohne Beize auskommt. Man nimmt die noch grünen Walnussschalen und tocknet sie. Die braungewordenen Hüllen verlieren ihre Färbekraft.

Und so wird´s gemacht: Die geschnittenen Wallnussschalen über Nacht einweichen, die Späne in ein Mullsäckchen in den Färbetopf, Färbe gut einlegen und 1 Std. kochen. Je nach Kochzeit  und Färbegut ergibt es eine Farbskala von orangebraun, mittelbraun, dunkelbraun, hellbraun.....

Durch eine Kontaktfärbung erhält man ein tiefes braun. Bei der Kontaktfärbung schichtet man in den Färbetopf eine kleine Schicht Walnuss, dann Wolle, dann wieder Walnuss usw. fällt das ganze mit Wasser auf und kocht 1 Stunde.

 
     
     
   

 
    Alle Pflanzenfarben sind untereinander mischbar. Es ergeben sich die tollsten Farben. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Probieren geht über Studieren.....  
   

 

         
    Beizen / Beizmittel          
   

Die wenigsten Naturfarben dringen unmittelbar so tief in die Faser ein, daß eine wasch- und lichtechte Färbung entsteht. Deshalb muß vor dem Färben mit natürlichen Farbstoffen das zu färbende Material erst für das Farbbad vorbereitet werden.

Richtig gebeizt ist halb gefärbt!

Das Wort "Beizen" kommt von "Beissen" Die zu färbende Faser wird "aufgebissen" damit der Farbstoff gut eindringen kann. Dies stellt auch den Unterschied zwischen einer chemischen Färbung und einer Färbung mit Naturfaben dar. Bei der chemischen Färbung legt sich der Farbstoff nur UM das Färbegut. Bei der natürlichen Färbung entsteht eine vollkommene, innige Verbindung zwischen Farbe und Faser..

 
     
                 
   

Alaun

           
    Alaun in kaltem Wasser aufweichen, in den Beiztopf geben, benötigte Menge Wasser auffüllen, das Färbegut dazugeben, das ganze zum Kochen bringen und 1 Std kochen  
                   
   

* Vorbeize

           
   

Das zu färbende Gut wird VOR dem eigentlichen Färben gebeizt. Die zu erwartenden Farben haben mehr Leuchtkraft und sind einfach schöner...m.E.

         
                 
   

* Direktbeize

           
    Hier gibt man das Beizmittel direkt ins Farbbad. Beizen und Färben ist EIN Vorgang          
               
   

*Stufenfärbung

         
   

Die gefärbte Wolle wird aus dem Farbbad genommen und ca. eine 1/2 Stunde und ohne zu spülen an die Luft gelegt. Durch die Oxydation (Wolle und Sauerstoff) verändert sich die Farbe. Dann die Wolle im selben Farbbad eine weitere 1/2 Stunde färben (1. Stufe...). Dieses kann man solange wiederholen, bis der gewünschte Farbton erreicht ist. Die Tiefe und die Lichtechtheit können bei einigen Farben damit erhöht werden.

   
                   
   

Alle Angaben oder Rezeptvorschläge sind ohne Gewähr. Für misslungene Versuche wird keine Haftung übernommen. Ich arbeite mit Naturstoffen und das tolle an der ganzen Materie ist ja eben, NICHT zu wissen, welche Überraschungen die Natur noch für uns bereit hält. So ergibt z.B. selbst der unterschiedliche Wachstumsort der angewendeten Pflanze unterschiedliche Farbergebnisse, ganz zu schweigen von der Wolle unserer Schafe......